Für Knieschmerzen gibt es eine ganze Reihe von Ursachen. Es ist daher zunächst wichtig die Ursache für die Beschwerden herauszufinden, um dann eine optimale Behandlung durchführen zu können.
Leichte Schmerzen, die nur einmal und vorübergehend aufgetreten sind, können häufig mit Hausmitteln und rezeptfreien Schmerzmitteln gelindert werden und durch die Selbstheilungskräfte des Körpers in wenigen Tagen überwunden werden.
Liegt ein direktes Unfallereignis vor oder handelt es sich um stärkere Schmerzen, die mehr als ein bis zwei Tage andauern, sollten sie Ihre Beschwerden mit einem Arzt besprechen, mit dem sie das weitere Vorgehen abstimmen. Nur ein fachkundiger Arzt kann Ihr individuelles Beschwerdebild bestmöglich einordnen und damit eine korrekte Therapie einleiten.
Arthrose
Arthrose ist eine schmerzhafte Erkrankung der Gelenke, die durch den zunehmenden Verschleiß des Gelenkknorpels entsteht. Dadurch nimmt die Belastungsfähigkeit des Gelenkes ab. Bewegungen und Belastungen sind sehr schmerzhaft. Bei fortgeschrittenem Verschleiß ist der Knorpel komplett aufgebraucht und die durch Ihn geschützten Knochenoberflächen reiben schmerzhaft aufeinander. Es gibt vielfältige Ursachen für die Entstehung einer Arthrose. Bereits durch den natürlichen Alterungsprozeß kann eine Arthrose entstehen. Frühere Verletzungen, dauerhafte Überbelastungen und Fehlstellungen der Beine können dies begünstigen. Auch durch eine dauerhafte Gelenkentzündung wie z.B. beim Rheuma kann eine Arthrose entstehen.
Eine echte Heilung der Arthrose ist nicht möglich, durch eine gute Behandlung kann aber der Verlauf sehr gut abgemildert und die Beschwerden deutlich gelindert werden. Bei weit fortgeschrittenem Verschleiß kann jedoch auch ein Gelenkersatz notwendig werden.
Bänderverletzungen
Die Bänder stabilisieren das Kniegelenk. Verletzungen der Bänder können einfache Dehnungen oder Zerrungen sein, die z.B. bei einem Verdrehen des Gelenkes auftreten können. Bei schwerwiegenderen Verletzungen können Bänder aber auch reißen.
Anfällig für Verletzungen sind das Seitenband auf der Knieinnenseite (Innenband) und auch das vordere Kreuzband (VKB). Beide Bänder können bei plötzlichem Verdrehen des Gelenkes geschädigt werden. Das sog. Hintere Kreuzband (HKB) und auch das Seitenband auf der Aussenseite sind seltener betroffen.
Behandlung:
Dehnungs- und Zerrungsverletzungen der Bänder können meist durch Schonung und eine geeignete Schmerzbehandlung ausheilen (konservative Therapie). Sind Bandanteile oder das Band vollständig gerissen ist das Kniegelenk nicht mehr ausreichend stabil. In einem solchen Fall sollte die geeignete Behandlung unbedingt mit einem fachkundigen Arzt erörtert werden. Einige Bänderrisse können z.B. mit einer äußeren Schiene behandelt werden, bei anderen kann eine Operation (z.B. ein Kreuzbandersatz) sinnvoll sein.
Knorpelverletzungen und Meniskusrisse
Der Knorpel polstert und schützt die Gelenke. Der Gelenkknorpel bedeckt als weiße Deckschicht wie eine Art "Zuckerguss" die Knochenanteile des Oberschenkel- und Unterschenkelknochens, die das Kniegelenk bilden. Knorpelverletzungen können durch Unfälle entstehen, bei denen direkt Stücke des Gelenkknorpels durch einen starken Stoß gequetscht oder sogar herausgeschlagen werden. Dies sind häufig schwerwiegende Verletzungen beim Sport oder Verkehrsunfällen. Häufig sind dabei auch noch weitere Strukturen des Gelenkes mitbetroffen (Bänder, Meniskus etc.). Solche Verletzungen sollten unbedingt von sehr erfahrenen Ärzten behandelt werden. Kleinere Knorpelverletzungen können auch durch dauerhafte Fehlbelastungen entstehen. Damit kann es zu einem Verschleiß des Gelenkknorpels kommen, der auf Dauer in einer Arthrose übergehen kann.
Die Menisken des Kniegelenkes, die eine Art Stoßdämpfer zwischen Ober- und Unterschenkelknochen darstellen, können häufig durch Verdrehungen des Kniegelenkes geschädigt werden. Hierbei kann es zu Einrissen des Faserknorpelgewebes des Meniskus kommen. Mit zunehmendem Alter, wenn der Meniskus spröder und weniger elastisch ist, können solche Risse schon bei alltäglichen Bewegungen, wie z.B. einer tiefen Hocke entstehen. Kleinere Schäden am Meniskus können wenige Beschwerden machen und müssen auch nicht immer behandelt werden. Wenn die Beschwerden anhalten und die Untersuchungen einen Meniskusschaden bestätigen, kann heute häufig mit einer sog. Gelenkspiegelung (Arthroskopie), einer Operation die meistens ambulant erfolgt, ein Teil des eingerissenen Gewebes entfernt werden. Große Risse des Meniskus, die dann immer mit starken Beschwerden einhergehen, können insbesondere bei jüngeren Patienten genäht werden, um die Stoßdämpferfunktion des Meniskus zu erhalten.
Patellasehnenentzündung (Patellaspitzensyndrom)
Die Sehne, die vom Oberschenkelmuskel über die Kniescheibe zum Unterschenkel führt, überträgt sehr große Kräfte, um uns z.B. aus der Hocke aufzurichten oder auch beim Treppensteigen. Durch dauerhafte Überlastungen kann es zu einer Art Entzündung, häufig am Unterrand der Kniescheibe kommen. Dies kann Ähnlich wie ein sog. "Tennisellenbogen" einen dauerhaften Reizzustand entstehen lassen. Dies wird Patellaspitzensyndrom genannt.
In den meisten Fällen kann dies durch Krankengymnastik (Physiotherapie) und begleitend durch entzündungshemmender Medikamente behandelt werden.
Kniescheiben-Verrenkung (Patella-Luxation)
Die Kniescheibe lenkt die Kräfte der Oberschenkelmuskulatur in den Unterschenkel um. Am Gesunden Kniegelenk gleitet die Kniescheibe in einer Gleitbahn und wird dadurch geführt. Verschiedene Zustände, wie auch Formabweichungen des Kniegelenkes können dazu führen, dass sich die Kniescheibe aus dieser Gleitbahn plötzlich ausrenkt (Luxation). Dies ist sehr schmerzhaft und dabei kann es auch zu Verletzungen des Knorpels am Kniegelenk kommen. In manchen Fällen kann es auch sein, dass sich dies häufig wiederholt. Dies nennt man habituelle Luxation.
Die Behandlung der Kniescheiben-Verrenkung ist sehr komplex. In jedem Fall sollte die Ursache hierfür genau untersucht werden. Je nach Ursache kann eine Kräftigung bestimmter Muskelgruppen helfen. In besonderen Fällen, sind aber auch Operationen anzuraten, um erneute Verrenkungen zukünftig zu verhindern.
In welchen Fällen sollten Sie sich an Ihren Arzt wenden?
Wenn Sie nicht wissen, woher die Schmerzen kommen oder welche Behandlung für Ihre Erkrankung richtig ist, sollten Sie mit Ihrem Arzt sprechen. Folgende Symptome weisen darauf hin, dass Sie sich an Ihren Arzt wenden sollten:
- Bequemes Gehen ist auf der betroffenen Seite nicht mehr möglich
- Eine Verletzung hat eine Verformung im Bereich des Kniegelenks verursacht
- Die Knieschmerzen treten nachts oder bei Ruhe auf
- Die Knieschmerzen halten mehr als ein paar Tage lang an
- Das Kniegelenk lässt sich nicht beugen
- Das Kniegelenk oder die Wade ist geschwollen
- Es gibt Anzeichen auf eine Infektion im Kniebereich, z. Bsp. Fieber, Rötung und Wärme
- Andere ungewöhnliche Symptome
Verwenden Sie den Fragebogen zur Beurteilung von Schmerz und Beweglichkeit, um Ihre Knieschmerzen besser zu verstehen.
